28.02.2021

„Sport übersteht die Krise“: Viele Mitglieder bleiben ihren Vereinen treu

Neueste Zahlen des LSB: Mitgliederschwund bei Vereinen nicht so dramatisch wie befürchtet
 
HANNOVER/HAMELN. „Diese Zahlen sind ein Hoffnungsschimmer in schweren Zeiten für die niedersächsischen Sportvereine“, sagt Niedersachsens Sportminister Boris Pistorius. Denn die neuesten Zahlen des Landessportbundes (LSB) Niedersachsen geben Anlass zur Hoffnung, dass die Sportvereine die Corona-Krise bis jetzt besser überstanden haben als erwartet.

Vor dem Lockdown: Nils Benze mit seinem Sohn Tarik beim Hürden-Training im Stadion. Foto: nls


Autor: Andreas Rosslan
Der befürchtete Mitgliederschwund blieb aus, weil die allermeisten Mitglieder ihren Vereinen treu geblieben sind. Laut LSB-Statistik verzeichnen die 9031 Vereine in Niedersachsen, die bis zum 31. Januar ihre Mitgliederzahlen gemeldet haben, einen Rückgang von rund 3,7 Prozent (minus 95129). Während die kleinen Vereine zum größten Teil mit einem blauen Auge davongekommen sind, schlagen die Großvereine Alarm: 24 der 30 mitgliederstärksten Klubs, darunter der TK Hannover und Hannover 96, haben einen Mitgliederrückgang von etwa 8 Prozent zu verkraften, teilweise sind es gar bis zu 23 Prozent.

In Hameln-Pyrmont ist die Lage der Sportvereine nach Auskunft der Vorsitzenden des Kreissportbundes, Maria Bergmann, zum Glück nicht so dramatisch, auch wenn nach vorläufigen Zahlen das Minus mit 4,1 Prozent etwas über dem Landesdurchschnitt liegt. „Es ist ein geringerer Mitgliederschwund, als wir aufgrund der Aussagen aus Sportvereinen erwarten durften. Dafür sind wir den Mitgliedern, die auch in schweren Zeiten zu ihrem Sportverein halten, sehr dankbar“, so Bergmann.

„Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Sportvereine mit vielen Kursangeboten – wie zum Beispiel beim Schwimmen oder im Bereich des Gesundheitssports – die größten Mitgliederverluste zu verzeichnen haben. Das betrifft insbesondere die großen Sportvereine. Die kleineren Sportvereine sind weitgehend in ihren Zahlen stabil geblieben. Hier sind nur leichte Verluste zu verzeichnen, die insbesondere durch Neuaufnahmen in diesem Jahr nicht ausgeglichen werden konnten“, sagt die KSB-Chefin und ergänzt: „Zuwächse sind überwiegend bei denjenigen Sportvereinen festzustellen, die im letzten Jahr Outdoor-Sportangebote machen konnten.“

Maria Bergmann, Vorsitzende des Kreissportbundes. Foto: nls


Aber auch der Tennissport erlebt eine Art Renaissance. Trotz Corona verzeichnen die Vereine einen beachtlichen Zulauf, denn nach der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen bleibt Tennis als Individualsport mit Einschränkungen und unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln erlaubt. Auch wenn die Winter-Saison inzwischen abgesagt wurde, dürfen Tennisspieler zumindest weiter trainieren.

Der Sport und die Vereine sind stark genug, um die Corona-Krise zu überstehen, ist sich Reinhard Rawe ganz sicher. „Es ist eine schwierige Situation, aber wir sind halbwegs gut über den Winter gekommen“, sagt der Geschäftsführer des Landessportbundes Niedersachsen. Die neuesten Zahlen stimmen ihn zuversichtlich, der Mitgliederschwund von knapp 4 Prozent sei nicht so hoch wie erwartet. „Das ist zwar kein schönes Ergebnis, aber wir hatten wegen Corona mit fünf Prozent kalkuliert“, sagt Rawe. Man könne vorsichtig optimistisch in die kommenden Monate blicken.

Ein derart dramatisches Bild, wie es der von der Deutschen Sporthochschule in Köln vorgelegte Sportentwicklungsbericht zeichnet, kann Rawe nicht erkennen. Mehr als 20000 Vereine waren im vergangenen Herbst (vom 21. Oktober bis 21. Dezember) befragt worden und dienten der Studie der Sporthochschule. Mehr als die Hälfte, so das alarmierende Resultat, würde aufgrund der abspringenden Mitglieder 2021 eine existenzbedrohliche Lage erwarten. Das gäben die Daten der LSB-Erhebung bei Weitem nicht her, betont Rawe: „Das können wir anhand unserer Zahlen nicht bestätigen.“

Wenn Klubs durch die Folgen der Pandemie in eine finanzielle Schieflage geraten und das nachweisen können, könnten sie Corona-Hilfen beantragen: „Wir haben dafür beim Land 7 Millionen Euro zusätzliches Geld angefordert, davon haben wir rund 2,5 Millionen an knapp 450 Vereine, Landesfachverbände und Sportbünde ausgegeben, die Hilfe beantragt haben.“ Darunter waren mit dem SV Bad Münder, RuF St. Georg Aerzen, RFV Fuhlen, Pyrmonter Reitverein, Hamelner TC, SV Klein-Süntel, RST Hummetal, Bad Pyrmonter Schützengilde und SV Hagen auch neun Vereine aus Hameln-Pyrmont, die insgesamt rund 20 000 Euro aus dem Fördertopf erhalten haben, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Die bewilligte Summe pro Verein liegt zwischen 756 und 3959 Euro.

Um gemeinnützigen Sportvereinen, die in ihrer Existenz bedroht sind, zu helfen, wird das Corona-Sonderprogramm für Sportorganisationen bis Ende 2021 verlängert, das nicht beantragte Geld steht also weiter bereit. Ja, es gäbe Probleme, und die seien in Einzelfällen auch groß, räumt Rawe ein. Mit massenhaften Insolvenzen rechnet der LSB-Geschäftsführer allerdings nicht. „Der Sport wird diese Krise überstehen. Mit Schäden zwar, aber er wird sie überstehen“ mit. sdi

Quelle : Dewezet
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